Trafficjam am Kolosseum, Rockkonzerte im Circus Maximus. In wohl keiner Stadt der Welt prallen Jahrtausende alte Traditionen so unmittelbar auf modernes urbanes Leben wie in Rom. Auch was Essen angeht. Und so verwundert es auch nicht, dass sich in einem Gebäude, in dem einst die Geliebte von Papst Alexander VI., Mutter der berühmten Lucrezia Borgia wohnte, heute ein Mekka für Liebhaber guter Pizza befindet.
Campo dei Fiori um die Mittagszeit herum. Der Platz ist wie immer rappelvoll. Doch an einem kleinen, eher unscheinbaren Eckladen stehen mehr Menschen als normal. Männer in Anzügen, Frauen im Kostüm und mit Stöckelschuhen, Touristen, Studenten, Schüler, Handwerker. Und alle halten eine braune Tüte in der Hand.
Ich drängele mich zum Eingang vor. Das Geschäft platzt aus allen Nähten. Ich reihe mich in die Schlange ein und sehe ihn schon, den Tresen voll mit Pizza. Der Teig so dünn, wie er sein soll, der Belag ebenso. Die Spezialität hier ist „Pizza bianca“. Einfach nur Mehl, Salz, Wasser, Hefe und ein Hauch Öl. Eigentlich ist es keine Pizza im klassischen Sinn, eher eine Art Brot. Ich zahle nicht einmal 3 Euro, nehme mein Stück in die Hand, gehe wieder auf den Platz, setze mich auf den Brunnen und beiße voller Vorfreude hinein. Leicht salzig schmeckt es, noch warm, knusprig und als Snack zur Mittagszeit absolut das Richtige. Ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit durchströmt mich.
Von hier aus kann ich in die Bäckerei hineinschauen. Ein Wagen voll mit riesigen Pizzen, alle etwa 2 Meter lang und 30 Zentimeter breit, steht dort. Nach und nach schiebt der ganz in weiß gekleidete Mann sie in den Ofen. Garnicht so leicht, bei diesen Ungetümen. Ich gehe hinein und frage, wie viele Bleche er denn so backt im Laufe eines Tage. „Madonna, verdammt viele“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Warm ist es hier.
Inzwischen ist sicher eine halbe Stunde vergangen und die Schlange vor dem Eingang ist gefühlt nicht ein Stück kürzer geworden. Kein Wunder: Der „Forno Campo de` Fiori“ ist eine Institution.
Immerhin wird hier bereits seit mehr als 30 Jahren Brot gebacken und Pizza und natürlich Gebäck. Die berühmte Ricotta-Torte zum Beispiel, ein Gericht aus der jüdisch-römischen Küche. Tradition wird hier noch großgeschrieben und dazu gehört auch, dass nur beste Zutaten verarbeitet werden. Und das schmeckt – nicht nur den Römern!

