Thore Könnecke und Nicolas Grohe heulen nicht mit den Wölfen. Doch seit ein gut zwei Jahren machen sie Wein an einem Ort, an dem sich früher – der Sage nach – Wölfe zur Jagd versammelt haben. Am Fuß der Pyrenäen , südwestlich von Carcassonne in der Region Malepère.
Die warme Brise des Mittelmeeres, die Einflüsse des kühlen Atlantiks und der Pyrenäen sind ebenso schwierig wie prägend für die Weine, die hier reifen. Lehm, Sand- und Kalkstein, dazwischen große, felsige Gesteinsbrocken. Die Arbeit in den Weinbergen ist Knochenarbeit. Maschinell geht hier nichts, das ist gut für die Reben. Außerdem speichert der „male pierre“, der „schlechte Stein“ Wärme und sorgt dafür, dass die Trauben in kühlen Nächten geschützt sind und liefert dazu noch Mineralien en masse.
Eines Tages fand eine kleine Auswahl dieser „Wolfsweine“ mit ihren wunderschönen Etiketten ihren Weg nach Hamburg. ( Danke Thore! ) Und begleitet von Büffelmozzarella mit Chili und Zitrone und Pasta mit einer großartigen Sepiasoße fand eine Auswahl dieser Auswahl den Weg in die beglückten Kehlen unserer Verkostungsrunde. Deshalb ist es jetzt endlich mal wieder Zeit für einen Beitrag aus der Rubrik: Learning by Drinking!
„Cremant de Limeaux“ – brut
Die feine Perlage kitzelt angenehm auf der Zunge. Er fühlt sich cremig-weiss an, bernsteinfarben. Gaumenfarben! Ein Hauch Sherry, eine grasige Olivennote, ein Klecks Waldmeister. Geschmeidig, weich mit einer großartigen frischen Säure! Schwelgend und diskutierend ist die Flasche viel zu schnell leer! Wie gut, dass schon der Marquis auf uns wartet.
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„Le Marquis“ / Rosé, 2013
Erdbeere, Ananas, Stachelbeere. Contreaux-Noten – ganz verhalten, Grapefruit! Wow! Der Edelmann erobert uns im Sturm. Elegant kommt er daher und geschmeidig, weich und frisch. Ganz feine grasige Aromen, die aber hinter der Frucht fast verschwinden und diese noch unterstreichen. Ein großartiger Sommerwein, der die perfekte Brücke bildet zur Maitresse.
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„La Maitresse“, Rot / 2011
Er hat eine interessante Kühle dieser Wein. Er riecht nach Johannisbeere, Fliederbeere, Holundergelée und Pflaume. Nach Bratensoße. Er hat etwas salziges und pfeffriges. Etwas im Geschmack erinnert an weiche Marzipanmasse, aber nur ganz entfernt, ein Geschmack, der sich wie ein Ring um die Zunge herum legt und dann wieder verschwindet, ganz zart. Und da ist auch dieser ganz minimale Anklang von Chinin. Der Abgang ist für unseren Geschmack noch etwas zu kurz. Er ist nicht handzahm dieser Wein, er erobert nicht auf den ersten Schluck, er will erobert werden oder eher gezähmt? Er ist kantig und manchmal sogar sperrig, aber schon das erste Glas lässt erahnen, dass da eine Tiefe ist, die man erst erkennen muss und will, die vielleicht etwas Zeit braucht. Lassen wir uns also ein auf ein zweites Date und probieren parallel die Verführerin.
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„La Seductrice“ – Rot / 2011
Diese Wein, weiß, was er will. Er erobert, schnell, direkt und ohne Umwege. Die Nase ist wärmer als bei der „Maitresse“, die Fruchtnoten sind dunkler und süßer, Brombeere und eingelegte Pflaume. Dazu Röstaromen. Der Abgang ist langanhaltender und tiefgründiger. Es ist der reifere Wein, der erwachsenere. Aber wir hatten ja noch ein zweites Date mit unsere „Maitresse“. Das nun wiederum ist hochinteressant – im Vergleich zur erfahrenen Verführerin bleibt sie frisch und lebendig, während „La Seductrice“ beim zweiten Glas ein wenig von ihrer Kraft einbüßt. Das geheimnisvoll Kantige bleibt interessant, während das Erwartbare an Faszination verliert. Ein bischen vielleicht wie im wahren Leben. Nichtsdestotrotz sind alle beide absolut spannende und andersartige Weine. Sie sind rassig und erdig, ein wenig verrückt und sicher nicht langweilig. Und wir sind uns einig: die eine oder andere Mätresse und Verführerin werde den Weg in unsere Keller finden, um dort ein paar Jahre zu warten auf ein zweites, drittes, viertes ….. Date!
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