Chardonnay – Protokoll einer Verführung

SIE HABEN UNS EROBERT. ZWEI FRANZOSEN UND EIN ITALIENER HABEN UNS BETÖRT, UMGARNT, BEZIRZT. UND SIE HATTEN LEICHTES SPIEL.

Blutjung kommt der Erste daher mit einer frischen, hellgelben Farbe mit grünlichen Akzenten. Und er duftet so gut. Nach gerade eben reif gewordenen gelben Steinfrüchten, nach Mirabellen, manchmal auch nach Williamsbirne. Ein Hauch Exotik umgibt den schönen Unbekannten – von getrockneter Ananas, gerösteten Mandeln und zart getoastetem Weissbrot.

Ein leichtfüßiger Wein mit zarten Duftnoten und weichen Aromen. Frisch und mineralisch, gleichzeitig ausdrucksstark und elegant.

Wir sinken dahin und erliegen – ganz freiwillig – dem Charme dieses burgundischen Jungspunds.

IMG_3144

2011 Beaune AOC
Campagne de Savigny
Roux Père & Fils

Der zweite schöne Unbekannte wartet bereits im Dekanter.

Wieder dieses leuchtende Gelb mit grünen Reflexen, diesmal etwas dunkler, fast honigfarben. Er riecht betörend, ist reifer als sein Vorgänger und offenbart ein Bouquet aus weißen Blüten und reifer Birne, Apfel und Quitte.

Langsam breiten sich im Abgang pfeffrige Noten aus. In der Nase liegt ein Hauch von Lakritz und Vanille. Er spielt mit uns, verändert sich immer mehr, jetzt kommen Honigtöne durch. Es ist ein herber Honig, Akazie oder Pinie. Dazu gesellen sich klassische Röstaromen, doch diesmal glaubt man ein Stück Brioche im Mund zu haben. Und über Allem liegt eine zarte Frische, wie ein Spitzer Limettensaft.

Er ist ein Filou, dieser Wein. Er spielt mit uns, verschießt nicht gleich zu Anfang sein Pulver, sondern gibt nach und nach immer mehr von sich preis, solange bis wir hoffnungslos verloren sind.

Glückseeliges Dahintaumeln mit

IMG_3146

2009 Meursault AOC
Les Grands Charrons
Michel Bouzereau & Fils

Und wähnten wir uns bereits auf dem Gipfel der vinophilen Genüsse angekommen,
da wartet noch ein weiterer auf uns.

Wie eine farbliche Symbiose aus den beiden Franzosen scheint dieser Wein. Gelbgrün, dunkler als der erste doch heller als der zweite. Ein Vanillearoma breitet sich in der Nase aus. Altbekanntes trifft auf Exotik. Hier gesellt sich Apfel zu Mango und Ananas garniert mit einem Hauch von Zitrus. Der Geschmack von Honig breitet sich in Nase und Mund aus, ein klarer, milder Honig, ein fruchtiger Honig, Orangenblütenhonig. Im Abgang ist er wunderbar pfeffrig und mineralisch frisch. Die Textur ist noch dichter als bei seinen Vorgängern. Kirchenfenster rinnen langsam im Inneren unserer Gläser herab.

Dieser Wein ist der reifste von allen. Und dennoch besitzt er einen jugendlichen Charme, eine Frische und eine wunderbare Süße. Chardonnay – diesmal nicht aus Frankreich, sondern aus Italien – Eccolo!

IMG_3145

2007 Sanct Valentin

Südtirol – Alto Adige

St. Michael-Eppan

Hinterlasse einen Kommentar