Balthazar allein zuhaus‘
Flensburg-Nord. Nicht gerade ein „Posto Cool“, wie die Italiener sagen würden. Genau hier an einer vielbefahrenen Einfallstraße liegt das „le kiosque“. Das wohl kleinste Restaurant – nun ja – vielleicht nicht der Welt, aber zumindest Norddeutschlands.
„Früher war das wirklich mal ein Kiosk“, erzählt mit Balthazar. Ein Dreivierteljahr lang hat er renoviert. Ganz fertig ist er immer noch nicht. „Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie furchtbar die Wände hier sind“, sagt er und deutet auf diverse Bohrlöcher. „Muss noch schön gemacht werden, ist eben noch nicht alles fertig.“
Noch etwas „unfertig“ wirkt auch der Eingang. Kein Schild weist darauf hin, dass sich hier in der Apenrader Straße 47 ein kulinarisches Kuriosum befindet. Nur das strahlende Blau der Eingangstür, die kleine Krone und die leicht im Wind flatternde Menükarte verraten dem Vorbeigehenden, dass hier jetzt ein Restaurant Einzug gehalten hat. „Eigentlich wollte ich auch so eine Art Pop-Up-Restaurant aufmachen, nichts Eigenes, aber dann habe ich das hier gefunden, e voilà!“ Buchenholztische, die Wände fast naurbelassen, hier und da ein bischen Farbe, kein Schnickschnack und die Musik kommt noch ganz „oldscool“ von der Schallplatte. Das strahlende Blau der Eingangstür findet sich übrigens im hinteren Bereich des Gastraumes wieder, auf der einzigen „Uni-Sex“-Toilette“ Flensburgs. „Ging nicht anders, kein Platz“, grinst Balthazar.
„Le kiosque“ ist eine One-Man-Show auf 24 Quadratmetern. Davon entfallen auf die Küche vielleicht gerade einmal zweieinhalb. Eine reife Leistung, hier zu kochen. So ganz eingegroovt habe er sich auch noch nicht, grinst er. Mittwoch, Donnerstag und Freitag hat Balthazar geöffnet von 18 bis 23 Uhr. „Drei Tage die Woche, das reicht“. Am Samstag ist er dann mit seiner mobilen Küche auf dem Wochenmarkt in Flensburg. Viele, die ihn von daher kennen, seien tatsächlich schon vorbei gekommen., obwohl er erst seit acht Tagen geöffnet hat. Jede Woche gibt es ein Menü, Vorspeise, Hauptgang mit Fleisch und einer vegetarischen Variante, dazu einen Nachtisch. Kostenpunkt: 20 €. „Hier wohnen nicht die Leute mit dem dicken Geldbeutel“, sagt Balthazar. „Hier geht’s auch ums satt werden“. Aber eben nicht nur. Es geht um „gutes“ Essen ohne viel „Tüddelütt“.
„Eine Quiche als Hauptgericht, jeder Franzose würde sich totlachen“. Aber manchmal müsse man eben das Selbstbewusstsein haben, etwas einfach zu tun.
Dass sich dieses Selbstbewußtsein lohnt, zeigt sich beim Probieren. Balthazar kauft seine Zutaten auf dem Markt, von Bauern aus der Umgebung . „Gemüse, das noch nach etwas schmeckt.“ Und so schmeckt eben auch die Quiche aus gelben Zucchini, Lauch, Spinat, Tomaten, dazu ein milder Blauschimmelkäse. Die Beilage besteht aus ein paar Blättern frischem Kopfsalat, Radieschen und Lauch angemacht mit einer klassischen Vinaigrette. E voilà! Quiche, Huhn in Riesling – die frankophile Auswahl der Speisen – Zufall oder Absicht?
Balthazar ist Halbfranzose. Geboren in Oberbayern, aufgewachsen im Elsaß und in Husum zur Schule gegangen. Kulinarisches Crossover mit Nord-Süd-Gefälle. Er könne sich gut daran erinnern, als damals in seiner Kindheit in dem elsässischen Dorf der Ofen angefeuert wurde, die Bewohner zusammenkamen und Flammkuchen gebacken wurde. Ein Initiationserlebnis in Sachen Geschmack. Und das habe übrigens jeder, sagt er aus vollster Überzeugung. Für ihn sei es damals eben der Flammkuchen gewesen, für andere war es eben der Marktbesuch mit Opa am Samstag und der Geruch von Räucherfisch oder der Geschmack von jungen Erbsen frisch aus Omas’s Garten.
Heute hat Balthazar zehn Vorbestellungen. „Mal sehen, ob die auch alle kommen, besonders der Sechsertisch“. Ohne präzise Vorbereitung geht hier gar nichts. Auf dem Herd steht ein großer Topf mit Karotten-Orangensuppe. Püriert wird zum Schluss. „Mit dem hier“, grinst er und zeigt mir einen handelsüblichen Küchenpürierstab. Der Babybrei wird jetzt zuhause im Mixer gemacht. „Da wo früher die Margueritas reinkamen“, sagt er und grinst. In einem zweiten Topf wartet eine große Portion Hahn in Riesling auf die Gäste. Die Kartoffeln sind vorbereitet, werden nur noch mit etwas Öl übergossen und überbacken. Der Nachtisch ist heute eine Quarkspeise mit Orangen. „Letzte Woche gab es Crème brulée, aber ich finde eine Quarkspeise ist es wert auch mal auf einer Restaurantkarte angeboten zu werden.“ Sagt es, filetiert Orangen und reduziert eine Soße aus Zucker, Wasser, Nelken und Zimt.
Um halb acht kommen die ersten Gäste. Und Balthazar gerät schnell ins Schwitzen. Auch wegen der wahnsinnig heißen Lampen, die in der Küche hängen. „Werden bald ausgewechselt, waren halt billig“. Er püriert, füllt die Suppe auf, schnell noch einen Schuß Öl, etwas gehackte Petersilie und etwas Pfeffer drauf. „Ein bischen Tüddelütt muss ja doch sein, wo es Sinn macht“. Gesagt und ab an den Tisch. Kaum lassen sich die ersten Gäste die Vorspeise schmecken, kommen schon die nächsten. Eine junge Frau und ihre Tochter. Ob man sich das Menü auch teilen könne, fragt sie. „Klar“ , entgegnet Balthazar . Hier ist beinahe alles möglich. Weiter geht’s mit dem Hauptgang für Tisch eins. Parallel dazu wird die Suppe für den zweiten Tisch fertiggemacht. Garnicht so einfach Kellner, Koch und Animateur in einer Person zu sein. Die Gäste haben viele Fragen, wie er dazu kommt, so was zu machen, warum gerade hier. Die junge Frau will wissen, wo er das Kochen gelernt hat und ob man die Suppe nicht auch in Weckgläsern verkaufen könnte. Es geht Schlag auf Schlag, Tisch drei kommt an. Weiter im Programm.
Der Sechsertisch bleibt leer. Ohne Absage. Balthazar sieht es gelassen. „Ist zwar doof, weil man ja die Portionen darauf ausrichtet, aber nicht zu ändern“, sagt er und wirkt dabei dennoch völlig entspannt. Wie übrigens den gesamten Abend. Zwischen Getränkebestellungen, Essen zubereiten und Abräumen bleibt immer Zeit noch mal schnell eine neue Platte aufzulegen und einen Schnack zu halten. Genau darum gehe es aber, die Menschen kämen nicht nur des Essens wegen in ein Restaurant, sie kämen auch und insbesondere wenn sie einen Bezug zu dem hätten, wer das Essen macht. Und das ist hier eindeutig. „Ich bin verantwortlich für das, was auf den Tisch kommt, und nur ich.“
E ca c’est bon! Merci Balthazar und bis bald im:
le kiosque – Apenrader Straße 47, Flensburg – Mittwoch-Samstag ab 18 Uhr; Reservierung unter 0176 38320916 – bitte nur telefonisch.
mail: lekisosque@web.de und auf facebook: Le Kiosque.restopop
Außerdem ist Balthazar jeden Samstag mit seiner Marktküche von 8.00 – 14.00 Uhr auf dem Flensburger Wochenmarkt …. Also Mahltiet!



Wir waren schon 3 x zum Essen. Ja es ist ein Genuss in einem besonderen Abiente, mit einem sehr guten Koch! Edith und Peter
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