THE BUTCHER

Johann Schwarz ist einer der besten und bekanntesten österreichischen Weinmacher. Und gelernter Metzger – oder Fleischhauer, wie es in Österreich heißt.  Zum Wein kam Johann, den hier alle Hans nennen, eher zufällig: Sein Nachbar war der legendäre burgenländische Winzer Alois Kracher. Der entdeckte und förderte Schwarz Talent und aus der Leidenschaft wurde schnell Berufung und Beruf. Auf seinem Weingut in Andau im Burgenland vinifiziert Schwarz inzwischen Trauben von 12 Hektar Rebfläche. Längst sind seine Weine Kult. Und das nicht nur in Österreich.

Bei unserem Besuch ist Hans Schwarz sichtlich „angeschlagen“. „Ich war gestern beim Sautanz in der Wachau“, sagt er und rollt die Augen. „Ich trink heut nix, aber ihr dürft probieren“. Und auf geht’s in den Weinkeller.

Schwarz produziert größten Teils Rotwein. Klassische österreichische Sorten wie Blaufränkisch und Zweigelt , aber auch welche, die ihren Ursprung andernorts haben, so wie Pinot Noir. „Blauburgunder heißt das hier bei uns in Österreich, in Deutschland Spätburgunder. Das ist ein wunderbarer Wein, der hat Frucht, Finesse und Komplexität. Unsere hier aus Österreich sind im Vergleich zu den Franzosen früher trinkbar, entfalten sich schneller, aber müssen dafür halt auch schneller ausgetrunken werden, aber dagegen ist ja nix zu sagen“. Hans Schwarz lacht. „Genuss, das ist bei Wein eh das Wichtigste!“

Weinfaesser

Schwarz ist aber nicht nur Genussmensch, sondern auch extrem experimentierfreudig und darüberhinaus ein echter Teamplayer. So produziert er gemeinsam mit den Winzerbrüdern Hellmut und Heinz Velich aus Apetlon eine Reihe von Weinen, mit dem Namen „Panta Rhei“.

Das bedeutet „Alles fließt“ , ein Zitat des griechischen Philosophen Heraklit. Alles fließt deshalb, weil der Geschmack dieser Weine durch das Zusammenfließen unterschiedlicher Elemente entsteht: der Hitze der Sonne und der Kühle des Waldes, der warmen Luft der Ebene des Sees und den mineralischen Böden. In der Weinfachsprache bezeichnet man diese Standortfaktoren als Terroir.

Angebaut werden sie rund um Eisenstadt im nördlichen Burgenland am Fuße des Leithagebirges. „Da wachsen Trauben, in denen der Stoff für wahrhaft große Weine schlummert“, sagt Schwarz nicht ohne Stolz.

Den Panta Rhei gibt es reinsortig als Blaufränkisch, Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

„Einen Wein zu 100 Prozent aus Cabernet Franc, das gibt’s nicht oft. Normalerweise verwendet man diese Rebsorte für Cuvées. Das mache ich auch, ich habe eine klassiche Bordeaux-Cuvee, „Caberhei“ heißt die. Da sind 40 Prozent Merlot drin, der gibt dem Wein den Körper, 40 Prozent Cabernet Sauvignon, der sorgt für die Säure und macht den Wein schlank und noch 20 Prozent Cabernet Franc. Der ist zuständig für die Würze. Reinsortig ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Wein, schwierig manchmal, nicht so gefällig, aber das hat was, ich mag ungewöhnliche Weine“.

Schwarz Leidenschaft für Ungewöhnliches schlägt sich auch in den Namen seiner Weine nieder. A Lita Schwoaz Rot und Weiß oder Kumarod (für Piefkes: Kamerad!) heißen sie. Oder schlicht ‚Schwarz Rot‘. Sein erster Wein, der auf Anhieb ein Riesenerfolg wurde. „Da hatte ich auch professionelle Unterstützung, den Alois Kracher. Ohne den wär ich übrigens nie zum Wein gekommen. Und von Manfred, Manfred Krankl, aus Kalifornien.“

SchwarzWein

Zum „Schwarz Rot“ haben sich inzwischen längst ein „Schwarz Weiss“ und zwei Strohweine gesellt: „Schwarz Schwarz“ und „Schwarz Gold“. Strohweine sind Weine, bei denen die Trauben nach der Lese zunächst auf Strohmatten getrocket und danach gepresst werden. Das erhöht den Zuckergehalt und macht die Weine, meist mit einem Alkoholgehalt von 14% oder mehr, lange lagerfähig. „Ist nicht jedermanns Sache, aber es gehört hier im Burgenland einfach dazu, Und unsere Strohweine sind auch etwas leichter, haben einen geringeren Alkoholgehalt. Beim Jahrgang 2013 hatte der Muskat Ottonel 9,5 % und der Zweigelt nur 8%.

Inzwischen sind fast 2 Stunden vergangen. Wir sind voll mit Informationen und – um ehrlich zu sein – auch nicht mehr ganz nüchtern.

Aber die Führung ist noch nicht vorbei. Hans will uns nämlich unbedingt noch etwas zeigen. Seine neuste Weinserie ‚The Butcher’. Ein Wein, der so vor Kraft strotzt – genau wie sein Macher. Tiefes Granatrot, duftiges Bukett nach reifen Himbeeren, roten Pflaumen und Hagebutten, eine feine Pfeffernote und Nelke.1 Auf dem Etikett ein Schwein im Fleischhauergewand.

The_Butcher_Etikett_u_Flaschen

„Passt doch, oder?“, fragt er grinsend und fügt hinzu: „Ich weiß nicht, wie‘s euch geht, aber ich habe jetzt Hunger“. 30 Minuten später stehen wir in der Fleischrei Preiner in Apetlon und  genießen eine burgenländische Schlachteplatte Besser kann’s gar nicht passen!

 

1Wir haben den ‚The Butcher Blaufränkisch’ probiert. Die Reihe umfasst noch einen Pinot und eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

 

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  1. Avatar von sabine sabine sagt:

    🙂 wie klasse, dass das buch ganz bald kommt, mehr davon – und irgendwie würde ich gerne einen blauburgunder trinken, warum nur?

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